
Der Schwarze
Peter
In meiner prämierten Fine-Art-Serie „Der schwarze Kater“ beschäftige ich mich mit dem stillen Verschwinden von Tierarten und der Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur. Ausgangspunkt ist die Metapher des Kartenspiels „Schwarzer Peter“, bei dem eine unerwünschte Karte so lange weitergegeben wird, bis am Ende eine Person verliert. Übertragen auf das Artensterben steht dieses Prinzip für das fortwährende Abschieben von Verantwortung zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Doch während es im Spiel nur einen Verlierer gibt, betrifft der Verlust von Lebensräumen und Arten letztlich uns alle. In meinen inszenierten Fotografien verbinde ich Tierpräparate mit symbolischen und teilweise skurrilen Elementen. Die Spielkarte mit der schwarzen Katze erscheint dabei als wiederkehrendes Motiv – mal deutlich sichtbar, mal verborgen. Meine Arbeiten bewegen sich zwischen Schönheit und Irritation und machen ökologische Zusammenhänge auf emotionaler Ebene erfahrbar. Das Projekt entstand aus meiner persönlichen Auseinandersetzung mit dem Tier- und Artenschutz. „Der schwarze Kater“ wurde beim BFF-Förderpreis 25/26 mit dem 3. Preis ausgezeichnet.
Im Rahmen des BFF-Förderpreises 2025/26 wurden die Arbeiten von Zerina Kaps zunächst vom 29. Mai bis zum 7. Juni 2026 großformatig im Format 140 × 100 cm in der Panzerhalle in Zingst präsentiert. Die Ausstellung war Teil des Umweltfotofestivals „horizonte zingst“, bei dem am 31. Mai 2026 auch die Preisverleihung stattfand. Vom 3. Juli bis zum 27. September 2026 ist die BFF-Förderpreis-Ausstellung zum Thema „Spielen“ nun im Willy-Brandt-Haus in Berlin zu sehen.

Das Kartenspiel der schwarze Peter
Die schwarze Katze galt im Mittelalter vielerorts als Unglücksbringer und wurde im Kontext religiöser Vorstellungen und des Aberglaubens teilweise sogar mit dem Teufel in Verbindung gebracht. Das Kartenspiel „Der Schwarze Peter“ greift diese Bildwelt auf: Eine Karte, die eine schwarze Katze darstellt, soll im Verlauf des Spiels weitergegeben werden, bis sie am Ende niemand behalten möchte. Dieses Prinzip steht bis heute sinnbildlich für das Abschieben von Verantwortung.
Ganze Generationen freuten und freuen sich über die herrlichen, humorvollen Zeichnungen des berühmten Altenburger Skatmalers Otto Pech, genannt Pix. Er hat die Bildwelt vieler Spielkarten entscheidend geprägt. Nicht zuletzt erscheint der „Schwarze Peter“ in vielen Darstellungen als eine fast märchenhafte Figur mit Anklängen an den gestiefelten Kater, eher als sympathische, schelmische Gestalt. Gerade die Ambivalenz zwischen spielerischer Leichtigkeit und unterschwelliger Bedrohung macht die Figur zu einer besonders wirksamen Metapher, die ich in die Gegenwart übertrage. In meinen inszenierten Fine-Art-Fotografien erscheinen bedrohte Tierarten, die ich mit symbolischen Elementen kombiniere.
Auf jedem Bild taucht zudem, manchmal deutlich sichtbar, manchmal nur beiläufig, die Spielkarte mit der schwarzen Katze auf. Sie fungiert als wiederkehrendes Motiv und als visuelle Metapher für das Weiterreichen von Verantwortung, denn obwohl die Ursachen des Artensterbens heute gut bekannt sind, scheint die Verantwortung selten eindeutig benannt zu werden. Die Politik verweist auf wirtschaftliche Zwänge, die Wirtschaft auf das Konsumverhalten und die Konsumenten auf fehlende Alternativen. Die Verantwortung wandert von einem zum nächsten, ganz ähnlich wie im Kartenspiel.


















